Melancholie - Mihai Eminescu
added by: Adina Speranta

Es schien mir zwischen Wolken ein Tor sich hell zu weiten
Und bleich die tote Königin der Nacht hinabzugleiten.
Oh schlaf, oh schlaf in Frieden nur, du Königin der Nächte.
Dass um den Schlaf der Himmel dir Kerzenkränze flechte,
Mit tausend stolzen Bogen dein Mausoleum brücke
Und dir im blauen Grabe dein Silberlaken schmücke!
Der Reif, der blanke Schleier auf Dorf und Felder breitet,
Hat prächtig reich die Räume der ganzen Welt geweitet.
Es funkelt in den Lüften, wie frisch geweißelt glänzen
Die Häuser als Ruinen in Ebnen ohne Grenzen.
Der Kirchhof wacht allein noch mit alten krummen Kreuzchen,
Auf eines ließ sich nieder und hockt ein graues Käuzchen.
Im Kirchturm knackt’s, das Schlagholz klappt hin und her im Zuge;
Ein unsichtbarer Dämon, sich stoßend auf dem Fluge,
Streift leise an die Glocken mit leichten Flügelenden,
Weltirre Trauerklage tönt aus den alten Wänden.
Ehrwürdig im Verfalle
Steht öde, alt und traurig die Kirche da; durch alle
Zerbrochnen Türen, Fenster und Ritzen heult der Wind -
Als ob er wüsten Zauber im heil’gen Raum beginnt -
Im Innern sind von Säulen und Altarwand und Mauern
Konturen kaum und Schatten geblieben voller Trauern;
Als Priester spinnt ihr dunkles, einförm’ges Lied die Grille,
Der Holzwurm klopft als Küster durch morscher Steine Stille.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
In Kirchen malt der Glaube uns frommen Bilderplunder -
Ins Herz hineingedichtet ward mir so manches Wunder,
doch ließ des Lebens Sturmflut, des Tages launisch Glück
Konturen kaum und Schatten voll und Trauer drin zurück.
Im müden Hirne suche ich nach meiner Welt vergebens,
Denn eine Grille zirpt darin herbstheiser, satt des Lebens.
Am leeren Herzen tastet umsonst die Hand und zagt,
Es pocht noch wie der Holzwurm, der leis’ im Sarge nagt.
Und denk’ ich an mein Leben, dann murmelt in der Runde
Eintön’ges Nacherzählen, als käm’s aus fremdem Munde,

Als wär’s mein Leben nicht mehr, als wär’ ich nie gewesen.
Wer sind die dunkeln Leute, die Märchen um mich lesen?
Ich lausche und muss lachen der fremden Herzensnot,
Der fremden Lebensschmerzen - ich selbst, ich bin längst tot.



Translator: Christian W. Schenk

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