Venedig
Erloschen ruht Venedigs großes Leben,
Du hörst kein Lied, dich lockt kein Licht zu Bällen;
Durchs Prunkportal auf Marmortreppen quellen
Des Mondes Strahlen, an der Wand zu kleben.
Es klagt das Meer auf der Kanäle Wellen...
Das, selbst gewohnt, in Jugendkraft zu beben,
Kann neuen Geist der toten Braut nicht geben
Und muss umsonst um alte Mauern schwellen.
Die Stadt liegt stumm in bangem Kirchhofsschweigen.
Als Priester dient Sankt Markus’ Turm auf Scherben,
Läßt Mitternacht in Unheilstönen steigen.
Und langsam tönt’s, als will der Klang ersterben,
Sibyllenhaft und müde, hohl und eigen:
„Die Toten stehn nicht auf, so lass dein Werben!“
Translator: Christian W. Schenk
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