Von dem Dnjestr bis zur Theiß
Klagt es bitterlich und heiß,
Uns Rumänen in die Enge
Treibe fremden Volks Gedränge;
Es war einmal, erzählt die Sage,
In fernster Zeit verloren,
Aus königlichem Blute gerade
Ein schönes Kind geboren.
Dalila
Steckt in Unterröcken Seele, oh, versteht der Bibel Lehre,
Simson schlief, da schnitt sein Weib ihm kahl den Kopf mit einer Schere,
Einsam steht das Schloss und spiegelt sich im See, als ob es schliefe,
Ruht seit alter Zeit sein Schatten in des klaren Wassers Tiefe;
Schweigend ragt es aus dem Walde, wo die Tannen schon sich hellen,
Und schenkt Müdigkeit den Ringen aufgetaucht durch leichte Wellen.
Ein Sultan, der übers Volke herrscht wie über eine Herde,
Der für eine Weide tauscht die Heimat, schlief in Ruhe auf der Erde;
Schlief, wie der schläft, dessen Kissen nur die eigne schwiel’ge Hand ist,
Dass sein festgeschlossnes Auge nun ins Innre nur gespannt ist.
Fragst warum die Feder rastet in dem Tintenfass seit Tagen?
Und weshalb sogar der Rhythmus lässt mich kalt und nur voll Fragen?
Wieso schlafen auf ein’ Haufen, auf vergilbten Seiten stumm
Alle Jamben, die Trochäen, die Daktylen, fragst warum?
Wenn ich nachts die Kerze lösche, fällt die Wimper, schlafbeladen,
Doch die Uhr stapft tickend weiter auf der Zeiten öde Pfaden,
Denn der Mond, der meines Fensters Vorhang still beiseite hebt
Und die Wollust seiner Strahlen durch das ganze Zimmer webt,
Oh, Mutter, liebste Mutter, aus Nebeldunkelheit
Durch Blätterrauschen rufst mich in deine Ewigkeit;
Über die dunklen Schatten der heilig kalten Gruft
Schütteln Akazien Blätter gedrängt von Herbst und Luft,
Ein Zeichen dir verlangen mir nicht vergessen sein?
Ich würde dich verlangen, doch du bist nicht mehr dein,
Sollst nicht die welke Blume aus deinem Haar mir schenken,
Mein Wunsch, der mir geblieben: sollst nicht mehr an mich denken.
Wald! mein lieber Wald! sag an,
Wie’s dir geht mit Laub und Tann?
Seit wir uns zuletzt gesehn,
Blieb ja auch die Zeit nicht stehn!